Voyage à Madagascar – Teil 5
Die Sonne brät auf Köpfen, Beinen und Unterarmen. Schirme werden ausgeklappt, Kluften aufgespannt. Jene mit geblümtem Schirm wecken im Betrachter den Gedanken an koloniale Zeiten, wie sie da auf einem Polstermöbel in einer Piroge sitzen und vorbeiziehende Bananenhaine am Ufer mustern.
Am Morgen waren wir in den kleinen Bambusbungalows im Centre Lambahoany aufgewacht. Wir wuschen uns und traten - wie verabredet - pünktlich zum Frühstück vor das verschlossene Tor des Restaurants. Bis sich dieses öffnete, sollte auch noch einige Zeit vergehen. Leidtragende waren letztlich unsere beiden Taxifahrer, die dann ihrerseits auf uns warten mussten, während wir frühstückten – einige noch einmal madagassisch, also Reis mit Zebu - die meisten wieder Baguette au beurre et confiture.
Die anschließende Fahrt nach Brickaville war ein Katzensprung im Vergleich zu der Taxibusfahrt von Andasibe nach Tamatave einige Tage zuvor. Dennoch pressten sich wieder die Knie in den Vordersitz, wurden
lahm und wieder und wieder verrenkte man sich, auf der ziellosen Suche nach einer gemütlichen Sitzposition.
In Brickaville ausgestiegen, standen wir etwas planlos mit unserem Gerümpel auf der Straße und schauten uns nach jemandem um, den keiner von uns kannte, der uns aber nach Fetraomby begleiten sollte. Er tauchte plötzlich auf und wir gingen zum nahegelegenen Ufer des Flusses. Unser erster Blick auf die Sofapiroge ließ uns schmunzeln. Ich für meinen Teil war naiv genug zu glauben, Pirogentaxis seinen hier offensichtlich immer mit improvisierten Sitzgelegenheiten ausgestattet. Blödsinn – das Mobiliar musste, wie auch wir, nach Fetraomby gebracht werden.
Nach einer knappen Stunde Fahrt ließ die Sonne nach und es zog sich etwas zu. Man las die herumfliegenden Zeitungsteile noch einmal oder schaute auf die Ufer. Gelegentlich kamen uns zu Flößen zusammengebundene Bananenstauden entgegen, auf denen ein bis zwei Menschen manövrierten. Es zog sich, wir fuhren stromauf.
Zur Mitte der Fahrt machten wir Rast in einem Dorf. Man hatte alles für uns vorbereitet und reichte uns an einem großzügig gedeckten Tisch mit Reis, Mohrrüben-Bohnengemüse sowie Fisch. Das Essen war sehr gut. Zu trinken gab es angebranntes Reiswasser. Es riecht fürchterlich, erinnert im Geschmack allerdings entfernt an Kaffee, ist durchaus bekömmlich und auf Madagaskar absolut üblich. Etwas ungewohnt waren die drei Damen, die während des Essens in einer Ecke des Raumes saßen und aufräumen wollten, sobald wir gingen.
An und für sich nichts ungewöhnliches, war doch dieser Teil der Reise unser gebuchter „Pauschalurlaub“ im Ökotourismus und dieses Einkehren nichts weiter als ein Restaurantbesuch. Etwas seltsam war es dennoch, aß man doch wieder Gemüse mit Reisbeilage und nicht die umgekehrte, übliche Kombination. Nach dem Überwinden von Stromschnellen und weiteren zwei Stunden Fahrt kamen wir in Fetraomby an.
Fetraomby ist ein Dorf, das mit dem Centre Lambahoany zusammenarbeitet und Ziel für vom Centre vermittelte Ökotouristen – in diesem Fall uns - sein kann. Die Dörfer sind hierfür mit einer zusätzlichen Hütte ausgestattet, in der zwei Doppelbetten stehen und die auch ansonsten sehr liebevoll eingerichtet ist. Hinter der Hütte steht ein eigener Verschlag mit Toilettenloch (Keramik!) und Waschstelle. Alles hervorragend. Der Fernseher entsetze uns
ein wenig, gab es doch nicht einmal regulär Strom in diesem Dorf. Wir teilten uns auf diese und zwei weitere Hütten des Dorfes auf.
Am nächsten Tag begannen wir mit den Dreharbeiten und den Fotografien. Es wurden Schnittbilder im Dorf gemacht, und ein Interview nach dem anderen geführt. Wir sprachen mit dem Dorfältesten, seinem Buchhalter, dem Lehrer, verschiedenen Schülern. Der Schule schenkten wir einen unserer Fußbälle, die wir für die verschiedenen Stationen unserer Reise mitgenommen hatten.
Nach der Geschenkübergabe musste der selbstverständlich ausprobiert werden. Man erinnerte sich dunkel an das Fußballspiel in Akany Avoko… Desolate Leistungen unsererseits auf dem Platz im Vergleich zu madagassischen Kindern. …und die Hitze war ähnlich drückend. ich glaube, letztenendes kamen diesmal alle um das Spielen herum.
Fetraomby war hochinteressant, da man für die drei Tage, die wir da waren, einen Einblick in das Leben auf dem Lande hatte. Zukunftsvisionen des Dorfältesten befassten sich mit einer möglichen Straßenanbindung des Dorfes oder einem festen Stromanschluss an Stelle des gelegentlich laufenden Generators. Die Menschen, die wir trafen, waren durchweg sehr nett und viele von ihnen waren interessiert an dem was wir machten.
Am nächsten Morgen kam wieder eine Piroge – diesmal ohne Sofas, dafür mit sehr bequemen Reissäcken – mit der wir wieder Richtung Brickaville schipperten.
Geschrieben von Eric
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