Teil II: 60 Jahre Lebenspfadfindertum – von Jürgen Horstmann
… 1951 fuhren wir nach Österreich, ins Jamboree. Das erste internationale Pfadfindertreffen nach dem Krieg.
Wir hatten Kontakt zu anderen Nationen: Engländer, Franzosen, Dänen. Wir merkten, dass diejenigen, die noch vor wenigen Jahren als unsere Feinde galten, Jungen waren wie wir. Wir wurden Freunde.
Zuhause hatten wir unsere Zusammenkünfte im Gemeindesaal oder im Kindergarten, wir sehnten uns nach einem eigenen Heim, das wir selbst gestalten konnten.
Draußen in der Heide fanden wir eine kleine Hütte, zerfallen und dem Abriss preisgegeben. Wir bauten sie wieder auf und schufen uns draußen ein eigenes Reich. In der Stadt bekamen wir die „Saki“. Wir konnten uns die nicht mehr genutzte Sakristei an der Kirche zu unserem Stadtheim ausbauen, mit Bücherei und Hockern, die sich jeder selbst zimmern musste.
Hier trafen wir uns zum Morgengebet, bevor wir in die Schule oder auf die Lehrstelle gingen – hier kamen wir in den Sippen und Führerringen zusammen oder trafen uns zum Schach spielen.
In der Jungmannschaft versuchten wir, unseren Weg in Kirche und Gesellschaft zu finden. Die Themen, mit denen wir uns auseinander setzten:
Einmal im Jahr hatten wir unsere Jungmannschaftstreffen, wo wir zwei Tage zusammen waren: Bibelarbeit, Gottesdienstbesuche, Abendandachten und Abendmahl bildeten den geistlichen Rahmen.
Das Mittagessen bereiteten die Mädchenpfadfinder für uns. Gemeinsame Kaminabende und Feiern der „Jumabälle“ waren die ersten Annäherungen zum weiblichen Geschlecht.
Jedes Jahr über den Jahreswechsel, vom 27.12. bis 1.1., veranstalteten wir
Seminare:
"Marxismus - Historischer und dialektischer Materialismus"
"Unbewältigte Vergangenheit – Das Dritte Reich"
"Autorität und Freiheit" – Referent: Ministerpräsident Hellwege
"Mit der Vergangenheit leben – Geschichte der Weimarer Republik"
Etwa 40 Teilnehmer jeweils diskutierten mit namhaften Referenten. Jeder von uns musste sich vorher mit dem Thema beschäftigen und eine Arbeitsgruppe übernehmen …
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